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myThread Pavilion

Inspiriert von dem Zusammenschluss von Design und Ingenieurwissenschaft, der auch die neue Flyknit Technologie aus dem Hause Nike hervorbrachte, wurden verschiedene Designer und Vordenker eingeladen eine Skulptur, Struktur oder Installation zu entwerfen, die vom Flyknit Schuh inspiriert ist. Ziel für die Teilnehmer des Flyknit Kollektivs war es, die neue Technologie mit neuen Denkansätzen zu verbinden und dabei ihren Forschergeist und ihre Neugier einzusetzen. Gestern trafen wir die interdisziplinäre Künstlerin Jenny Sabin, die ihre Vision der Flyknit Technologie in Form des 'myThread Pavilion' zum Ausdruck brachte.

Hi Jenny, bitte beschreibe uns was du machst.
Ich bin eine architektonische Designerin, Künstlerin und Lehrerin und arbeite in diesen Rollen in verschiedenen integrierten Bereichen. Ich habe einen experimentellen Raum in Philadelphia außerdem führe ich ein Design Labor an einer Universität wo ich verschiedene Seminare gebe und in einigen Forschungsprojekten mit Zellbiologen, Wissenschaftlern und Ingenieuren involviert bin. Ich finde es spannend nach Designmodellen zu suchen, für die die Natur eine Vorlage bildet und die uns auf neue Denkwege leitet. Manchmal entstehen daraus neue Formen, die verspielt sind und vielleicht so noch nie da waren, manchmal beschäftige ich mich mit sehr praktischen Angelegenheiten wie Nachhaltigkeit. Für dieses Projekt hier wollte ich gerne eine Verbindung schaffen zwischen dem einfachen Prozess des Strickens, seiner Geometrie und Materialität, seinen Mustern und der Komplexität des menschlichen Körpers. Ich dachte an bestimmte Datensätze, die der Körper produziert. Wir haben auch echte Daten von Menschen bei verschiedenen Aktivitäten aufgezeichnet und diese in ein räumliches Konstrukt übersetzt. So kann man sonst immaterielle Datensätze sichtbar und greifbar machen. Das war die übergreifende Idee für diese Arbeit und das spricht auf eine Art auch für meine alltägliche Arbeit.

Wie kam es dazu?
Es war ein Prozess. Ich meine, hätte man mich vor zehn Jahren gefragt was ich machen werde, hätte ich es nicht sagen können. Es war ein Prozess meinen Interessen zu folgen, Leidenschaften zu entwickeln und sich die Schnittstellen zwischen Technologie, Kunst, Architektur und Wissenschaft anzuschauen. Das hat sehr interessante Formen angenommen aber es war wirklich eine Entwicklung. Ich habe mich nicht mit diesem Ziel auf den Weg gemacht.

Was fasziniert dich an der Arbeit mit Materialien?
Am Ende des Tages bin ich glücklich als jemand, der etwas herstellt. Ich habe einen Hintergrund in Bildender Kunst, einen Abschluss in Töpferei und einen anderen in Architektur. So bin ich vor allem an der Kunst des Schaffens interessiert, wie zum Beispiel ein einfacher Faden zu Stoff wird und wie man diesen Prozess digital übersetzen kann. Als ich von dem Projekt hörte war ich sofort begeistert, denn ich sollte eine Technologie in ein architektonisches Konstrukt übersetzen und auch wenn das vielleicht als Kunstinstallation verstanden wird, sehe ich es als Prototyp für die nächsten Schritte in Richtung neuer Bauformen.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?
Was ich am meisten mag hat mit Kollaborationen zu tun, Leute aus verschiedenen Disziplinen zusammen zu bringen und neue Entdeckungen zu machen. Ich liebe diese parallelen Entdeckungen, die sich ergeben, wenn man sich ein Ziel gesetzt hat, an dessen Umsetzung arbeitet und am Ende ergeben sich alle möglichen neuen Projekte, die mindestens genauso, wenn nicht sogar noch interessanter sind. Ich liebe es, wenn verschiedene Fachleute zusammenkommen, oft haut mich das einfach um. Nicht dass ich gerne Wissenschaftler oder Zellbiologe wäre, aber die Diskussion und die Zusammenarbeit mit ihnen zwingt mich meine eigenen Arbeiten mit neuem Input zu versehen.

Was inspiriert dich?
Oh, viele Dinge. Aber um es einfach auszudrücken kommt sie im weiteren Sinne von der Natur. Dort finde ich oft Designmodelle, die mich auf neue Wege leiten und die ich in architektonische Konstrukte übersetzen kann. Ich bin also sehr an Biologie interessiert und daran wie Material die Art und Weise zu arbeiten auf tolle Arten beeinflussen kann, manchmal ist das ein Lernprozess. Man lernt Neues, indem man Grenzen überschreitet und das Material an sein Limit bringt. Darum geht es in diesem Projekt. Keiner hat je vorher auf diese Art und Weise gestrickt aber indem man sich sagt 'Warum nicht? Lasst es uns versuchen.' entstehen ziemlich tolle Dinge.

Wo ist für dich der Zusammenhang zwischen Architektur und Kunst?
Die Idee, dass ein Architekt alleine arbeitet ist eine uralte Vorstellung. Ich denke, wenn man sich wirklich mit den dringenden Themen wie Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit auseinandersetzen möchte, ist eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Architekten, Designern und Künstlern unumgänglich.

Interview & pictures by Caroline Kurze

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