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Annette Herrmann

Für Annette Hermann ist ihr Leben nichts besonderes, doch als sie mir ihre Welt bei einer Tasse Kaffee in der Küche ihres Ateliers in Berlin Kreuzberg beschreibt klingt sie für mich anders, interessant und faszinierend. Sie bewegt sich zwischen Musikproduzentin, Grafikerin, Buchverlegerin und Porzellandesign. Annettes Leben klingt stressig und doch kommt sie mir gelassen vor, so als hätte sie zwar keinen genauen Plan wo sie mit allem hin will aber als wüsste sie sehr genau, was sie nicht will und wo sie nicht reinpasst.

Als Jugendliche hat sie angefangen sich mit dem zu beschäftigen was sie umgab und faszinierte. Sie engagierte sich in ihrem Jugendklub in Pankow, wo sie aufgewachsen ist und kam so zur Musik. Dabei lernte Annette auch ihren Mann kennen, mit dem sie seit zwölf Jahren zusammen ist. Gemeinsam wurden sie erwachsen und doch behielt Annette immer einen kindlichen Blick auf die Dinge und die Welt. Sie erlaubt sich auszuprobieren und wenn es nicht klappt reißt sie alles wieder ein und fängt von neuem an, wie die Wand in ihrem ersten Tonstudio, welches die beiden zusammen aufbauten.
In einem Café kam ihr die Idee für ihre erste Fliese, mit der alles begann. Während ihr Mann Songs textete kritzelte sie eine Fliese aufs Papier, aus der ein Finger ragt, welcher einen Haken formt. Die Idee fand sie interessant und sie verfolgte sie weiter. Es entstanden erste Proben, sie suchte Menschen, die sich mit Porzellan und der Arbeit mit dem brüchigen Material auskannten und eignete sich nach und nach ihr Wissen an. In ihrem kleinen Atelier, einer abgetrennten Ecke in einem Tonstudio in Kreuzberg, erklärt Annette mir die Herstellung und Verwendung ihrer Arbeitsmaterialien. Sie zeigt mir zahllose Gußformen und Abdrücke, die nicht funktionierten und während ihrem Entwicklungsprozess zurück bleiben mussten. Mir ragen Finger entgegen und der Tisch mit den Arbeitsmaterialien, der mit feinem weißen Staub überzogen ist strahlt eine ganz eigene Ruhe und Schönheit aus. Annette kommt hier nach ihrem Arbeitstag her. Die Arbeit mit dem Porzellan ist für die Herausforderung und Entspannung zugleich. Ihre ersten Produkte verkaufte sie beim Holy Shit Shopping. Jetzt gehen die ersten Artikel in einem Laden in Hamburg in Verkauf.

Text & pictures by Caroline Kurze

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