Man erwartet ja vieles, wenn man einen Raum betritt, der in irgendeinem künstlerischen Zusammenhang stehen soll. Aber das sich plötzlich aus dem Nichts eine Wolke manifestiert, die anmutig in die Höhe steigt und von Scheinwerfen durchleuchtet für einen Augenblick in der Luft verweilt, war mir neu. Wenige Momente später schon, ist dieses sanfte, ästhetische Erlebnis auch schon wieder vorüber und es bleibt nur das Gefühl, dass sich unser gewohntes Raumgefühl kurzfristig verschoben hat.
Um eben diesen Effekt der veränderten Raumwahrnehmung geht es dem niederländischen Künstler Berndnaut Smilde in seinen Arbeiten Nimbus I und II, die er mal in einer Kirche, mal im musealen Kontext produziert. Er spielt mit unserem Verständnis von Begrifflichkeiten wie Drinnen und Draußen, Vergänglichkeit und Bestand. Und man fragt sich, ob sich uns das Bild der Wolke nicht eben wegen ihrem nur temporären Auftritt besonders beständig ins Bildbewusstsein einprägt.
So gestochen scharf, wie aus einem Gemälde der niederländischen Landschaftsmalerei entnommen, sollen seine Wolke sein. Eine weitere Idee, die ihn zu seiner Arbeit inspirierte beschreibt Smilde mit einer gewissen Ironie: ‘I imagined walking into a classical museum hall with just empty walls. There was nothing to see except for a rain cloud hanging around in the room… I wanted to make a very clear image, an almost cliché and cartoon like visualisation of having bad luck: Indeed, there’s nothing here and bullocks, it’s starting to rain!’




All images © Berndnaut Smilde









Mar 27, 2012 · 13:12
sehr beeindruckend
Mar 27, 2012 · 13:13
beindruckend und wunderschön
Mar 27, 2012 · 17:45
Und doch bleibt das Wichtigste an "Nimbus I" unerwähnt: Die Installation wurde im Rahmen des Project Probe gezeigt, einer miniaturisierten Galerie, die, mit Kameras bestückt, allein online besucht werden kann. Entsprechend gestaltet – Tapete, Fußleisten, Stuckverzierungen etc. – täuscht der kleine Kasten einen gewöhnlichen Ausstellungsraum vor, der in dieser Form nicht existiert. Die ewige Debatte von der Aura des Kunstwerkes und ihres Verlustes im Abbild wird dadurch auf die Spitze getrieben – und der Betrachter wirksam hintergangen. Dafür bot sich Smildes "Nimbus I" hervorragend an, schließlich suggeriert sie ebenfalls eine räumliche Komponente.
Mar 27, 2012 · 17:58
Es gibt auch ein lecker Video dazu zu bestaunen: staun
Mar 27, 2012 · 18:07
Lieber Matthias,
da hast du natürlich recht. Allerdings war mir die Diskussion um den Verlust der Aura des Kunstwerks nach Walter Benjamin etwas zu abgehalftert und ich fand für diesen Beitrag, der vor allem das neueste Werk Nimbus II thematisieren sollte, gerade den Schritt in den öffentlichen Raum interessant. Berndnaut Smilde hatte mir in diesem Zusammenhang folgendes Video geschickt: http://www.noordhollandsdagblad.nl/nieuws/stadstreek/enkhuizen-westfriesland/article14198803.ece/Wolk-in-de-Mariakapel
Aber vielen Dank für deine sehr treffende Zusammenfassung der ersten Version! Lg
Mar 27, 2012 · 18:20
Anneli, man kann natürlich Schwerpunkte setzen und das ist auch gut so, aber ohne Kritik üben zu wollen, empfand ich diese Information als notwendig, um die Scharade zu durchschauen, die sich eigentlich dahinter verbirgt und der auch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zukommt. Meines Wissens zeigt Smilde seine Wolken zwar vornehmlich in real existenten Räumen, doch wenigstens "Nimbus I" macht da eine Ausnahme.
Mar 28, 2012 · 12:57
Unglaublich
Mar 28, 2012 · 20:55
Sehr beeindruckende Installation, die mir - Asche auf mein Haupt - sowohl "Nimbus I" - wie auch hier "Nimbus II" - völlig neu ist ... ich werde mich wohl gleich mal auf den "Weg" zum Video machen;)
Mar 29, 2012 · 12:28
Wow, sieht toll aus, allerdings frage ich mich wie das technisch umgesetzt wurde? Habe ich das etwa ueberlesen?