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Matthew Davis

'Das Genie ist die Geduld', schrieb Balzac einst. Ganz in diesem Sinne scheint sich der in Berlin lebende Künstler Matthew Davis seinem Werk verschrieben zu haben. Hinter seinen Momentaufnahmen alltäglicher Situationen verbirgt sich ein ungemein aufwendiger Entstehungsprozess. Jedes seiner Bilder besteht aus tausenden Kunstharztropfen, die in unterschiedlicher Größe und Farbe nach und nach aufgetragen werden. Eine Schicht muss erst vollkommen getrocknet sein bevor der Künstler die nächste angehen kann – ein Vorgang der zuweilen Tage dauern kann. Wer nun meint, er könne derweil an einem anderen Werk weiterarbeiten, hat sich getäuscht. Seine Aufmerksamkeit gilt voll und ganz dem einen Bild, unabhängig davon ob dies effektiv oder profitabel ist. Es lässt sich insofern durchaus von einem genialen Schöpfungsakt sprechen, dessen fruchtbarer Moment zu einer intensiven Erfahrung des Bildes führt.

Etwas zieht uns hinein und lässt uns länger verharren als erwartet; beim Eifer des Fußballspiels, bei der kühlen Badeszene und den fluoreszierenden Farben der Achterbahn. Vielleicht weil sich die Augen erst einstellen müssen; eine Perspektive will gefunden werden. Man will die Punkte als einzelne begreifen, das Werk aber auch als ein Ganzes verstehen. Ein schönes Beispiel dafür, dass Geduld nach wie vor eine Tugend ist, und dass es sich lohnt, seine Aufmerksamkeit hin und wieder ganz auf die eine Sache zu konzentrieren, ohne an die vielen anderen Baustellen im Hinterkopf zu denken.

All images © Matthew Davis

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