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Paul Gisbrecht

Ist der ideale Mensch (be)messbar? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Konzeptphotograph Paul Gisbrecht. Er stützt sich auf die in der Architektur mittlerweile als Standardwerk geltende ‘Bauentwurfslehre’ des Architekten Ernst Neufert (1939). Diese beschäftigt sich unter anderem mit der Messbarkeit des idealen Menschen in Bezug auf räumliche Größen. Bis heute gilt Neuferts Werk als grundlegendes Prinzip der standardisierten Raumkonstruktion.

Gisbrecht stellt diese inhaltliche Grundlage in Frage: Neufert überblende ‘jegliche Art des Individualismus und Autonomie des Designprozess’. Die Serie des Kölners ‘Menschliche Verdinglichung, oder Ernst Neuferts Definition des Raumes’ ist seine kritisch-visuelle Reaktion und Antwort. Seine Schwarz-Weiß Fotografien, die in diesem Jahr mit dem ‘Sony World Photography Award’ in der Kategorie Konzeptkunst ausgezeichnet wurden, beschreiben vordergründig alltägliche Szenen. Seitlich angebrachte ‘Messlatten’ sollen das Abgebildete berechenbar machen. Der Künstler kritisiert mit seiner Serie nicht nur den menschlichen Individualitätsraub, sondern auch die einhergehende Objektivierung eines jeden, unterliegen sie dem Versuch messbar gemacht zu werden.

All images © Paul Gisbrecht

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