Flächige Raster, die das Innere der Etagen verbergen, dem Blick die Scheuklappen des Konsums aufsetzen und ihn auf die Auslagen der Schaufenster im Erdgeschoss lenken.
In den 1960ern ist dies ein modernistisch-architektonisches Erfolgsprinzip einer großen Kaufhauskette, das gegenwärtig aus dem deutschen Stadtbild nach und nach verschwindet, unsere Wahrnehmung und Wiedererkennung von Großstadt jedoch merklich geprägt hat. Die Utopie einer überdimensionalen Schatztruhe, die mit ihrem umfassenden Sortiment alles befriedigen kann. Dem massiven Erscheinungsbild dieser Architektur steht sein wesentlichstes Element gegenüber, das zwar ebenso schlicht, bei genauem hinsehen aber um einiges filigraner erscheint: Die Hortenkachel, designt von Egon Eiermann.
2007 wurde in Hamm ein eben solches Kaufhaus nach dem Vorbild Eiermanns aus dem Stadtbild entfernt. Seine ornamentale Außenhaut konnte zum Teil in einem neuen Projekt recycelt werden. Ein Projekt, dessen prägnante Kachelfassade in der Re-Interpretation ebenso ein zentrales Gebäude darstellt, seinen Inhalt jedoch viel zugänglicher präsentiert. Inmitten des vom Strukturwandel betroffenen Magdeburger Stadtteils Salbke haben Antje Heuer, Stefan Rettich und Bert Hafermalz des Leipziger Kollektivs KARO* für Kommunikation, Architektur und Raumordnung eine Freiluftbibliothek entwickelt, die rund um die Uhr zugänglich ist und auf ein Ausleihprinzip auf Vertrauensbasis setzt.







Image 1-3 © Karo* & Image 4-7 © Anja Schlamann | Via: Architektourist







12. Jan 2011 · 16:45 Uhr
Großartig, das gefällt mir richtig gut, vor allem die recycelte Fassade! Und allein der Name "Freiluftbibliothek", sehr schöner Begriff!
12. Jan 2011 · 16:49 Uhr
HAMMER
12. Jan 2011 · 17:13 Uhr
toll ... super Projekt! Die Kachel findet sich such an unserem lokalen Kaufhof ;)
12. Jan 2011 · 18:23 Uhr
übrigens wurde die jetzige Bibliothek 2005 als Modell aus Bierkästen schon einmal errichtet. Um die Anwohner einzustimmen.
Ich kann, da ich Magdeburger bin, sagen, dass diese Bibliothek dem Stadtteil unglaublich gut tut. Wo vorher nur ein Stadtteilmittelpunkt war, der den Begriff Brache nicht einmal verdiente, ist jetzt Leben eingegehrt und der Ort hat eine gravierende ästhetische Wendung vollzogen, da auch die Stadt und die Verkehrsbetriebe durch eine Ausbesserung der Straße und der anliegenden Haltestelle ihren Teil beigetragen haben. Man kann also sehen, dass die Hartnäckigkeit einer Bürgerinitiative Früchte tragen kann.
12. Jan 2011 · 19:02 Uhr
hat was kathedrales
12. Jan 2011 · 23:22 Uhr
Ironischer Weise hat Magdeburg mit dem hiesigen Karstadt (ehemals Centrum) ein Kaufhaus mit einer eben solchen, antiquierten Fassade in seiner eigenen Mitte. Das mindert natürlich die famose Idee dieses Projekts nicht. Nur sollte daraus nicht später einmal eine offene Stadtteilbibliothek in Hamm entstehen.
25. Sep 2011 · 22:11 Uhr
Schon ein älteres Projekt, aber ich find das noch immer richtig super. Respekt!