EN DE

Interview | Jared Leistner

Jared Leistner kenne ich bereits seit über 10 Jahren. Als wir damals noch Parties in Freiburg veranstaltet haben, war er unter anderem für das Design der Flyer verantwortlich. Er wollte nach dem Abitur sein Hobby zum Beruf machen und studierte in Berlin Informations- und Interfacedesign.

Seine Bachelorarbeit befasst sich mit dem Thema "Digitale Verarbeitungsfehler als Stilmittel in der Kunst", was ich äußerst interessant finde und ihn deshalb um ein kurzes Interview gebeten habe.

Bitte stell dich doch erst einmal unseren Lesern vor:
Meine Name ist Jared Leistner. Ich mag gerne Fleisch, Frauen und Rauchen. Meine Hobbys sind Ausliegen und das Wettessen pikanter Chicken Wings. Ich bin umgänglich und pfegeleicht. Meine Freunde dürfen mich Jared nennen. Falls du nun Interesse an meiner Person entwickelt hast und mich gerne näher kennen lernen möchtest, dann zögere nicht und tu es einfach. Sei stark.

Wie entstand die Idee zu dem Projekt "100 Chatroulette Wichser"?
Vor längerer Zeit, als MySpace noch hipp war, gab es dort einen Bug der mir über das Profilbild einer Freundin aufgefallen war. Das Bild war farblich in verschiedene Stufen unterteilt und es gab kleine bunte Kästchen zu sehen. Long story short, beim Uploaden des Bildes hat MySpace einen Glitch verursacht und die Bytes der Datei falsch zusammengesetzt. Das hatte mich fasziniert und ich habe so lange gesucht bis ich die Möglichkeit fand das Gesehene zu reproduzieren.

Bei meiner Recherche über jpeg Glitches bin ich dann über ein weiteren Kompressionsfehler gestolpert - das Datamoshing. Es ist simpel zu erklären, aber dazu zeige ich lieber was ich damals gefunden hatte:

Diesen Effekt des Datamoshings gibt es nicht nur bei Videoformaten sondern auch bei komprimierter Bildübertragung wie z.B. Skype oder andere Webcamchats. Zum damaligen Zeitpunkt war gerade chatroulette.com bekannt geworden und ich wollte im Kontext meiner Bachelorarbeit eine fotografische Arbeit darüber machen, welche sich mit Kompressionsfehlern als künstlerisches Stilmittel der Zukunft auseinandersetzt (z.B. jpeg Fragmente werden das Retro der Zukunft). Also studierte ich Chatroulette genauer *hust* und mir wurde die Arbeit klar: Ich fasse die Übertragungsfehler und Wichser mit welchen man dort bombardiert wird zusammen. Das Endergebnis ist der letzte Frame einer Sequenz, welche ich aus 100 gesammelten Onanitoren zusammengestellt hatte um sie dann zu datamoshen. Inspiriert zu dieser Arbeit wurde ich auch durch die arbeiten "Nudes" und "jpegs" von Thomas Ruff.

Meine absolute Lieblingsarbeit von dir ist "Perfect Picture Point". Erzähle uns doch um was es bei dem Projekt geht und wie hoch die Erfolgsquote war?

Das Projekt Perfect Picture Point wurde von mir und Stephan Tillmans zum Thema "Installation im öffentlichen Raum" entworfen und zusammen mit Tobias Erling umgesetzt.

Die Idee dabei war, dass wir einen völlig absurden Punkt in der Nähe einer Touristenattraktion suchen und ihn mit unserer Schablonengrafik markieren, um zu sehen ob der Hinweis "Perfect Picture Point" Touristen dazu bringen könnte von dieser Stelle aus Fotos der Attraktion zu machen. Für die Umsetzung haben wir den Checkpoint Charlie ausgewählt, weil er bei mir vor der Haustür liegt und Stephan damals auch gerade ums Eck gewohnt hat. Von unserem erwählten Punkt aus war im direkten Blick auf den Checkpoint ein Baum im Weg, was aber die fröhlichen Touristen nicht davon abgehalten hat fleißig Bilder zu schießen. Die Aktion war ein voller Erfolg.

Was bringt die Zukunft?
Meine Pläne für die Zukunft stehen schon fest! Ich wurde gerade bei der Werbeagentur Heimat genommen und bin sehr erfreut darüber.

Zum Schluss noch eine weitere Arbeit aus Jared Leistners Portfolio zum Thema "Digitale Verarbeitungsfehler als Stilmittel in der Kunst":

www.jaredleistner.com

Comments